Es gab nur ein Ziel: Die Qualifikation für die Ironman 70.3-Weltmeisterschaft 2016 in Australien. Und ein Ziel ist das Wichtigste, um sich weit über die sich selbst im Kopf errichteten Grenzen bewegen zu können. Dieser Zeitpunkt kam so bei Laufkilometer 13 im Rennen. Aber dazu später mehr.

Am 13.10.2015 bin ich mit meinem langjährigen Trainingspartner Matthias Knossalla nach Belek in die Türkei geflogen. Dort war ein 10-tägiges Trainingslager geplant, das als Abschluß den Ironman 70.3 Türkei beinhalten sollte. Die Trainingseinheiten in der ersten Woche waren sehr lang und hart. Bis zu 6 Stunden täglich sind wir Rad gefahren, geschwommen und gelaufen. 4 Tage vor dem Wettkampf wurden die Trainingsumfänge dann stark verringert, um dem Körper die nötige Erholung zu geben und mit der nötigen Frische am Start zu stehen. Alles verlief nach Plan und ich fühlte mich richtig gut.

Der Renntag beginnt in der Regel recht früh. Aufstehen um 5 Uhr, Frühstück bis um dreiviertel 6 und dann geht’s Richtung Start, der für 8 Uhr angesetzt war. Dort wird nochmal das ganze Equipment gecheckt, das Rad aufgepumpt und die letzten Wettkampfinformationen eingeholt. Zu unserem Glück war das Meer, in dem die 1,9km Schwimmen am Anfang zurückgelegt werden, recht ruhig. Am Vortag war noch ziemlich hoher Wellengang, der sich aber über Nacht verabschiedet hatte.

Dann, um 08:05 Uhr, 5 Minuten nach den Profis, der Startschuß für mich. Und ab ins kühle Naß. Nach 29:33 Minuten konnte ich das Wasser verlassen und war mit dieser Zeit sehr zufrieden, ist doch das Schwimmen meine schwächste Disziplin. Aber diesmal verlor ich gar nicht so viel Zeit wie üblich.

Mit Volldampf in die Wechselzone, raus aus dem Neo, rein in die Radschuhe und Helm auf. Schnell das Rad geschnappt und schon war ich wieder raus aus der Wechselzone. Jetzt begann die schöne Zeit. Die 90km Radfahren. Da ich vom Radsport komme, fällt mir diese Disziplin immer noch am leichtesten. Und hier kann ich richtig viel Boden gut machen. Ein Schnitt von 38,4 km/h mit insgesamt 1000 Höhenmetern auf der Strecke ließ mich von Platz 34 auf Platz 4 vorfahren. Die Höchstgeschwindigkeit dabei lag bei 92,1 km/h, meine Durchschnittleistung bei 3,9 Watt/kg. Und ich fühlte mich am Ende tatsächlich noch recht gut.

So ging ich top motiviert in den abschließenden Halbmarathon. Auch hier schnell durch die Wechselzone, Radschuhe und Helm aus, Laufschuhe an und ab ging die Post. Mit einem anfänglichen Schnitt von 3:58 min/km auf die ersten 8 km war ich mehr als nur im Soll, wollte ich doch das Laufen mit 4:10 min/km beenden. Aber oh weh, bei Kilometer 13 (solange war aufgrund meiner bis noch vor kurzem angehaltenen muskulären Blockade in den Waden die längste Trainingseinheit) kam dann der besagte „Mann mit dem Hammer“. Und jetzt brauch man ein Ziel. Die letzten 8km sind psychisch die Hölle. Es gibt 2 Möglichkeiten. Langsamer werden oder die Schmerzen irgendwie aushalten und weiterlaufen. Wenn man ein Ziel hat, dann wird Zweiteres erleichtert. Und so hab ich mich dann die letzten Kilometer bis ins Ziel geschleppt, um dann überglücklich und mit einer Laufzeit von 1:25:10 Stunden die Ziellinie zu überqueren.

Und mit Platz 2 in meiner Altersklasse und dem siebten Platz aller 1150 Amateuren hatte ich die Qualifikation geschafft. Ziel erreicht !!

Die Daten:

Gesamtzeit:

4:21:23 Stunden         ( 29:33min Swim,  2:20:37h Rad,  1:25:10h Lauf)
( Wechselzeiten: T1 3:53min,  T2 02:10min )

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